Geschichte und Bau
Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts fanden durch die industrielle Entwicklung und den aufblühenden Tourismus immer mehr evangelische Christen den Weg ins Allgäu. So wuchs der Wunsch, in Oberstdorf evangelische Gottesdienste abzuhalten. Der Marktgemeinderat stellte dafür zunächst den Rathaussaal zu Verfügung, wo im August 1876 der erste evangelische Gottesdienst gefeiert wurde. Die kleine Gemeinde, die damals rund 70 Mitglieder zählte, wünschte sich aber eine eigene Kirche. Mit großem Engagement gründeten sie 1899 einen Kirchbauverein. Bereits im August 1905 erfolgte die Grundsteinlegung für die neue Kirche, die vom Berliner Architekten Ludwig von Tiedemann entworfen wurde. Ein knappes Jahr später, im Juli 1906, wurde die Christuskirche eingeweiht.
Von nun an fanden – besonders in den Sommermonaten – regelmäßig wöchentliche Gottesdienste statt, die weiterhin das Pfarramt Immenstadt koordinierte. Ab 1918 übernahm der Geistliche der neu gegründeten evangelischen Gemeinde Sonthofen zusätzlich die Zuständigkeit für Oberstdorf. Erst 1941 wurde Oberstdorf eine selbständige Pfarrei.
Der Kirchbauverein sammelte Gelder für neue, große Glocken gesammelt, deren Weihe im März 1926 stattfand. Um mehr Raum für die Gottesdienstbesuchenden zu schaffen, wurden 1930 im gesamten Kirchenschiff Emporen eingebaut. Sogar die niederländische Königin Wilhelmina beteiligte sich mit einer Spende.
Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Christuskirche in der Zeit des Nationalsozialismus immer wieder Treffpunkt von Mitgliedern der bekennenden Kirche war.
In der Nachkriegszeit wurde die Kirche, die laut Zeitzeugen „mit dem gedrungenen Zwiebelturm den Eindruck eines anheimelnden Bergkirchleins“ machte, bald zu klein. Deshalb plante die Gemeinde einen großen Umbau, der nicht nur die Kirche betraf, sondern auch den Anbau eines Gemeindesaals, eines Pfarramts und des Pfarrhauses einschloss. Diese grundlegende Erneuerung der Christuskirche wurde nach Plänen des Münchener Kirchenarchitekten Gustav Gsaenger in den Jahren 1954 und 1955 durchgeführt. Der Neubau des Turms im Jahr 1957 bildete den Abschluss dieses Umbaus.
Mitte der 1960er Jahre erfuhr auch der Innenraum der Kirche eine weitere prägende Veränderung als Angela Gsaenger, die damals 36-jährige Tochter des Architekten Gustav Gsaenger, das Altargemälde des erhöhten Christus fertigstellte.
Anfang 1975 wurde nach zehn Monaten Bauzeit die neue Orgel des Orgelbauers Ekkehard Simon (Landshut) eingeweiht. Das Instrument hat 1964 Pfeifen in 30 Registern. Es gelang dem Orgelbauer, den Klangkörper in den asymmetrischen Kirchenraum zu integrieren.
Im Sommer 2015 fand nach zehn Jahren intensiver Planung und einem Jahr Bauzeit die Einweihung des neuen Gemeindehauses statt. Es entstand ein Haus, das das Selbstverständnis der Kirchengemeinde zum Ausdruck bringt: offen und einladend. Im Jahr 2017 erhielt die Christuskirche während einer Außensanierung ihren ursprünglichen, farbigen Antrich, der bei der Erweiterung Mitte der 1950er Jahre gewählt worden war.
Inzwischen weist der Innenraum der Kirche viele Mängel auf: Die Heizung ist defekt, die Elektrik und die Lautsprecheranlage sind veraltet, die Wärmedämmung (insbesondere im Bereich der Fenster) ist mangelhaft, die Akustik trocken. Im Fußboden und in den Wänden sind Risse – auch im Altarbild. Außerdem haben sich die Anforderungen an den Kirchenraum geändert: Wir wünschen uns einen hellen, lichten Mittelpunkt für Gottesdienste in verschiedenen Formen und Veranstaltungen für alle Interessierten. Aktuell wird die Planung mit dem Denkmalschutz abgestimmt. Wir hoffen, dass die Arbeiten bald beginnen können. Einbezogen in die Sanierung werden auch die Nebenräume Sakristei und Pfarrbüro, die ebenfalls sanierungsbedürftig sind.
Sobald die Planungen finalisiert wurden, finden Sie an dieser Stelle weitere Informationen.
Wenn Sie mehr zu einem bestimmten Thema erfahren möchten, z.B. über die Glocken der Christuskirche, wenden Sie sich bitte an das Pfarrbüro.
Hier hören Sie alle vier Glocken: